Paulchens Weihnachts-
geschichte

Von Petra Balaschitz

Kapitel 1
Es war einmal, weil es so schön ist, und viele Geschichten so beginnen, will ich auch meine Adventgeschichte so beginnen:
Es war einmal eine Familie, mit vielen Kindern, sie lebten in einem schönen Haus mit einem großen Garten. Rundherum blühte es, Bäume spendeten Schatten, das Haus war mit Lachen erfüllt und die Kinder spielten im Garten und tobten durch den Wald.
Sie hatten viele Spielgefährten, Elfen, Feen, Waldgeister, Engel, Wölfe, Katzen, Hunde, Vögel und noch einige mehr.
Klein Paulchen hatten es die Wölfe besonders angetan und er folgte ihnen auf Schritt und Tritt. Wenn er müde wurde, suchte er bei Ihnen Schutz und schlief in deren Pfoten ein, eingehüllt in Wärme und Licht.
Einmal fragte er einen Wolf, wozu sie denn auf einmal 4 Beine hätten, wenn sie doch fliegen könnten?
Der Wolf erklärte Paulchen, dass sie sich darauf vorbereiteten, auf die Erde zu gehen um dort als Wölfe zu leben, dabei würden sie aber die Fähigkeit zu fliegen, kurzzeitig abgeben müssen.
Aber warum, fragte Paulchen ganz entsetzt? Der Wolf lachte und erklärte weiter: "Weil wir auf der Welt unsere Erfahrungen machen möchten, wir möchten Mutter Erde unter den Pfoten spüren und wir wollen den Menschen helfen, auf der Welt zurecht zu kommen, und sie als deren Krafttiere leiten und beschützen, wenn sie es möchten.
"Was sind denn Menschen?", wollte Paulchen wissen. "Menschen" erklärte der Wolf, "sind Engel ohne Flügel, auch Du wirst bald auf die Erde kommen und vorher Deine Flügelchen abgeben".
Entsetzt stampfte Paulchen mit seinen kleinen Füßchen auf und schnaubte: "Nein, meine Flügel gebe ich nicht her und auf diese dumme Welt zu den komischen Menschen will ich auch nicht."
Der Wolf lächelte milde und stupste Paulchen mit der Schnauze sachte an, "sei nicht traurig Paul, es ist eine wundervolle Erfahrung, Du wirst Abenteuer erleben, zur Schule gehen, arbeiten und mit einem Auto fahren, Du wirst selbst vielleicht Papa sein und irgendwann Opa und danach darfst Du ja wieder hier her zurückkehren, mit einem ganzen Rucksack voller Geschichten, die Du auf der Erde erlebt hast, das wird spannend, Du wirst sehen und wenn Du Hilfe brauchst, kannst du mich auch jederzeit zu Dir rufen und ich helfe Dir und stehe Dir zur Seite!"
"Wirklich?", fragte Paulchen zögerlich! "Ja, wirklich", antwortete der Wolf, "du brauchst nur ganz fest an mich zu denken und schon bin ich an Deiner Seite. Du darfst nur eines nicht vergessen, wenn wir beide auf der Erde sind, müssen wir uns genauso unterhalten, wie wir es jetzt auch tun."
Paulchen schaute verwirrt und fragte: "Ja, das ist ja klar, wie sollten wir uns denn sonst unterhalten?" Ernst schaute ihn der Wolf an und antwortete: "Weißt Du, auf der Erde gibt es viele verschiedene Sprachen, sie unterhalten sich mit Worten und mit dem Verstand, und viele Menschen haben unsere Sprache verlernt, sie verstehen uns oft nicht mehr!"
Jetzt war Paulchen wirklich ganz entsetzt und fragte: "Das kann ich nicht glauben, wie kann man denn die Sprache des Herzens verlernen?"
Paulchen war fassungslos und lief sofort zurück nach Hause, zu seiner himmlischen Mutter und rief schon von weitem: „ich will nicht auf die Erde, ich will nicht auf die Erde“
Seine Mutter erschien lächelnd an der Tür und fragte: „ Ja warum denn nicht, Paulchen?“ „Weil sie unsere Sprache verlernt haben!“ rief Paul.
„Weißt Du“, erklärte die Mutter, „es gibt viele Menschen, die haben sie nicht verlernt und je mehr wir diesen Menschen helfen, desto mehr können sich wieder daran erinnern. „Hmm“, Paul dachte angestrengt nach, „dann gehe ich vielleicht doch auf die Erde, aber ich will kein Mensch sein! Was wenn ich die Sprache dann doch auch verlerne, das wäre ja ganz schrecklich! Nein, das will ich nicht, auf keinen Fall!“ „Ach Paul“, meinte die Mutter, „du warst doch schon so oft als Mensch auf der Erde, nur kannst Du Dich daran gerade nicht erinnern, weil Du Dich auf die neue Zeit dort unten vorbereitest, aber Du wirst sehen, es kann auch wunderschön sein!“
Seine Mutter überlegte kurz, dann rief sie Paul wieder zu sich und führte ihn zu einem großen Fenster. „Schau, da kannst Du einen Blick auf die Erde werden, schau Dir alles genau an, dann überlegen wir gemeinsam, was Du machst, und wer Du sein möchtest.“ Paul bekam ganz große Augen, als er das rege Treiben auf der Erde beobachtete. Er sah die Menschen, die herumhetzten, sah andere, die hungerten, Krieg und Gewehrfeuer erschreckten ihn und liesen ihn schnell wo anders hinblicken, er sah die vielen verschiedenen Tiere und bei allen Lebewesen sah er ein kleines Licht leuchten. Bei manchen strahlte es hell und klar, bei anderen wiederum war es dunkel und stumpf, da musste er sich sehr anstrengen es überhaupt wahrnehmen zu können.
„Ich möchte ein so strahlendes Wesen werden, wie der Mensch da unten“, rief Paul und zeigte auf ein besonderes helles, strahlendes Licht. „Dann kann ich allen anderen die Dunkelheit erhellen und immer für sie leuchten und alle werden wieder unsere Sprache verstehen!“
„Das wird nicht leicht sein“, meinte die Mutter und runzelte die Stirn. „Weißt Du, viele Menschen brauchen die Dunkelheit um zu lernen und Ihre Erfahrungen zu machen, um daraus zu wachsen, vielleicht werden sie Dich dann zurück stoßen, Dich ablehnen, weil sie dein Licht in solchen Momenten nicht ertragen können!“
Paul hatte aufmerksam zugehört, dabei aber auch die Erde nicht aus den Augen gelassen. Er hatte bemerkt, dass sich die Lichter veränderten, mal strahlten sie mehr, dann weniger, dann flackerten sie, bei manchen erloschen sie fast ganz, nur um dann heller als zuvor zu leuchten.
Und doch gab es Wesen, da war das Licht immer hell und klar, strahlte warm in die Nacht und verbreitete einfach Liebe.
Von seiner Mutter erfuhr Paul, dass es sich dabei um die Tiere handelte. Sie schenkten den Menschen Ihre bedingungslose Liebe, weil sie in jedem einzelnen das strahlend helle Licht erkennen konnten, das tief im Inneren in jedem Menschen brannte, egal ob es gerade genährt wurde oder zu verhungern drohte.
Dann werde ich ein Tier, beschloss Paul sofort und war nun bereit, auf die Erde zu gehen um den Menschen zu leuchten, Ihnen zu helfen und sie zu unterstützen!

Kapitel 2
Zur gleichen Zeit, erwachte auf der Erde Kater Paulchen von seinem Mittagsschlaf. Er streckte sich verschlafen, schüttelte sich kurz und schaute sich langsam um.
Er erkannte seinen geliebten Kratzbaum, seinen gemütlichen Fensterplatz, von dem aus er die Vögel beobachten konnte, seinen Futternapf! Gott sei Dank, er war zu Hause bei seinen Dosenöffnern, die ihm jeden Wunsch von den Augen ablasen, naja, er hatte sie ja auch ordentlich trainiert und Ihnen mit ausdauerndem Geschrei klar gemacht, was er wünschte und vor allem wer hier das Sagen hatte. Er schüttelte sich, wenn er daran dachte, dass sie versucht hatten, ihn aus dem Bett zu vertreiben?? Ja wo kamen wir denn da hin? Oder gemeint hatten, es würde reichen, ihm nur dieses grässliche Dosenzeugs anzubieten, einfach unglaublich! Diese Unsitten hatte er aber ziemlich bald abgestellt und das war Schnee von gestern! Mittlerweile reichte ein vorwurfsvoller Blick, schlimmstenfalls ein ziemlich jämmerliches aber doch nachdrückliches Miau und schon sprangen alle, um seinen Wünschen nachzukommen!
Ja er war mit seinen Mitbewohnern durchaus zufrieden! Noch einmal schüttelte er sich, um den Traum loszuwerden, ein wahrer Alptraum, man stelle sich vor, er hätte sich ein Leben als Hund oder gar als Mensch ausgesucht, also er wäre gekommen um zu dienen, nein, das wäre nicht in seinem Sinne gewesen, einfach nicht auszudenken!
Gott sei Dank hatte er sich entschieden, sich als Katze bei seinen Menschen verwöhnen zu lassen! Natürlich half er wo er nur konnte, aber das ist eine andere Geschichte. Jetzt knurrte langsam sein Bauch und da half am besten etwas Leckeres zu Futtern, miauuuuuu! Eine kurze Inspektion zeigte, dass sein Futternapf frisch gefüllt war, mit frischem Fleisch und Fisch. So ein  Service war ganz nach seinem Sinn. Satt und zufrieden und nach einem kurzen Blick aus dem Fenster, es schüttete wie aus Kübeln, beschloss er, noch eine runde auf seinem Kratzbaum zu schlafen. Diese Hängeschale ganz oben war aber wirklich zu einladend und bequem!
Kapitel 3
Diesmal wurde Paul ziemlich unsanft und ungewohnt aus seinen Träumen gerissen, nämlich durch lautes Bellen und Geschrei!
Was war denn jetzt schon wieder los? Vorsichtig sah Paul aus dem Fenster und nein, nein das konnte doch nicht wahr sein! Er glaubte seinen Augen nicht zu trauen, da stand sein Frauchen mit einem Hund im Arm vor der Türe. Sie würde doch nicht, .... nein das würde sie ihm nicht antun?! Oder etwa doch? Sie meinte ja, sie müsste Gott und die Welt retten, aber ausgerechnet einen Hund? Wo sie doch wusste wie sehr er, Paul, seine Ruhe liebte??
Aber je länger Paul darüber nachdachte,.... vielleicht war ein Hund ja gar nicht so schlecht. Er tat ja wirklich was er konnte um Frauchen zu helfen, wenn sie Stress hatte, verlangte er lautstark und augenblicklich sein Fressen, legte sich auf die Waschmaschine, weil er wusste, sie würde sie dann nicht einschalten, um ihn nicht zu stören, verschwand vollkommen verstört und verschreckt ganz hinten im Wohnzimmerschrank, wenn sie auch nur in die Nähe vom Staubsauger kam, sodass der Sauger gar nicht erst in die Hand genommen wurde.
Am Abend, wenn sie noch immer vor dem Computer arbeitete, legte er sich auf die Tastatur und war durch nichts herunterzubewegen. Das machte sogar Spaß denn oft gingen da dann die lustigsten Fenster auf, alles leuchtete und blinkte und einmal stand sogar die Schrift Kopf und Frauchen musste den Laptop dann aufstellen wie ein Buch, um noch etwas lesen zu können.
Dies alles tat er nur, um seinem Frauchen eine Auszeit zu ermöglichen, aber stur wie sie war, suchte sie sich ständig neue Aufgaben und hetzte weiter durch die Gegend. Schade, dass er ihr nicht verständlich machen konnte, das er dies alles nur zu Ihrem Besten machte und sich quasi aufopferte.
Wobei Paul schon zugeben musste, wann immer er mit ihr schmusen wollte, lies sie alles liegen und stehen, um die Zeit mit ihm zu genießen! Sie wusste genau, dass die gemeinsame Erdenzeit begrenzt und dafür umso kostbarer war. Warum nur, sahen die Menschen aber nicht auch, dass die eigene Zeit begrenzt war und jeder Augenblick,  der ungenutzt verstrich, unwiederbringlich war. Er hörte oft, wie sie davon redeten, dass es gut wäre im Hier und Jetzt zu leben, doch sehr oft gelang es wohl nicht. Oft ertappte er sein Frauchen, wie sie in Gedanken den Einkaufszettel durchging, oder die Arbeiten die noch zu erledigen waren, während sie mit ihm schmuste. War das dann im Hier und Jetzt??? Er versuchte dann immer sein Bestes, sie zurück zu holen, knurrte, fauchte und wenn gar nichts half, setzte er auch gezielt die Krallen ein, ...... was aber war der Dank??? Er wurde ausgeschimpft!
grmpf, .... Menschen verstanden einfach so vieles nicht, aber er würde nicht aufgeben, sich verständlich zu machen und vielleicht, ja vielleicht konnte ihm ein Hund ja dabei helfen! Auf jeden Fall würde er gleich von Anfang an zeigen, wer hier der Chef im Hause ist.

Kapitel 4

Frauchen war ziemlich überrascht, nach einem kurzen knurren, pfauchen, durch das Haus laufen, schienen die beiden sich arrangiert zu haben und waren binnen kürzester Zeit die besten Freunde. Es war, als würden sie sich schon ewig kennen.  

Wenn die wüsste, dachte sich Paulchen, als er diese Gedanken empfing und er war wieder einmal froh, sich für dieses Erdenleben entschieden zu haben, musste

sein Frauchen doch noch so viel lernen! Wer könnte da ein besserer Lehrmeister sein, als er! 

Wobei ganz so doof stellte sie sich gar nicht an, man stelle sich vor, sie hatte sogar ein Seminar besucht, um die Seelen Sprache (sie nennt es Tierkommunikation) zu lernen! Dabei können die Menschen das doch alle, nur haben sie es wirklich verlernt, so wie mein lieber Wolf mir das erklärt hatte, dachte Paul.   Paulchen fand das ziemlich komisch, das war ja so, als würde man seine Muttersprache verlernen, hmmm wirklich sehr, sehr seltsam.  

Als Paulchen es sich wieder einmal auf der Fensterbank bequem machte träumte er von Kindern, die auf einer Wiese und im Wald spielten, von Leichtigkeit, Freude von einer unendlichen Weite und vor allem ein Gefühl von Frieden und Zufriedenheit.

Es fiel im auf, dass alle Wesen ob mit 2 oder 4 Beinen Flügel hatten und alles strahlte in einem hellen Licht.

Langsam erwachte Paulchen aus seinem Traum und sah in die strahlend blauen, weisen Augen von Lupo und plötzlich wusste er, woher er dieses Wesen kannte! Aus ihrer gemeinsamen Vergangenheit, Lupo war sein Wolf, sein Freund, der versprochen hatte, ihm auf der Erde zu helfen und beizustehen!

Es ist ein wunderbares Gefühl, wenn sich zwei Seelen begegnen, und wenn Du achtsam bist und auf Dein Herz hörst, wirst auch Du solche Begegnungen spüren können! Da bin ich mir ganz sicher!


Paulchen unterhielt sich ja oft mit "seinem“ Wolf, der jetzt Lupo gerufen wurde, es war schon eine spannende Geschichte, wenn man den Menschen so zuhörte, glaubten sie doch oft gescheiter zu sein als die Tiere, stellten sich über sie oder sperrten sie ein!

Gut dass es da solch wundervolle Seelen wie ihn, Paulchen, gab, die alles daran setzten den Menschen zu helfen! Sein Frauchen war schon net so schlecht, aber oftmals mehr als schwer von Begriff! Man stelle sich vor, sie bildete sich ja glatt ein, er würde sich an ihre komischen Ideen halten, zum Beispiel erwartete sie von ihm, dass er um 20 Uhr zu Hause war. Na ja, musste er schon zugeben,  meistens zahlte es sich ja durchaus aus, heimzugehen, gab es um diese Zeit immer das beste Futter, wie Leber oder Rindersteak, aber das hatte dann ja hungertechnische Gründe und nicht, weil er sich etwas befehlen ließe, wo kämen wir denn da hin!

Lupo war da ganz anders, der rannte los, wenn Frauchen rief und folgte ihr auf Schritt und Tritt. Naja, dachte Paulchen, Hund eben, wieder war er mehr als froh, sich einen Katzenkörper ausgesucht zu haben.

Aber stell Dir vor, Frauchen erwartete von ihm, gleich zu gehorchen wie Lupo. Er aber, lies sich Zeit, es gab noch einiges zu besichtigen und zu schauen, ob in seinem Revier wohl alles in Ordnung war, das duldete keinen Tag Aufschub, da konnte er nicht auf der Stelle nach Hause laufen, nur weil es Frauchen so gefiel. 

Also kam er ein bisschen später nach Hause, es war doch grad erst nach Mitternacht und unglaublich, Frauchen schlief - so gab es kein frisches Futter für ihn! Ein Service war das, unmöglich!

Seufzend legte er sich also ins Bett und war grad am Einschlafen, da hörte er wie sein Frauchen nach ihm rief!

Häähhhh??? dachte er sich und grummelte: "Ich bin ja eh da!"

Frauchen: „Paulchen, das ist wirklich nicht wahr, es ist halb 1 und Du bist unterwegs, Du weißt, ich mach mir Sorgen, also bitte komm nach Hause!"

Paulchen: "Ich bin eh da!"

Frauchen: "Also wirklich Paulchen, Du bist unmöglich, kannst Du bitte mit diesen Spielchen aufhören und endlich kommen?"

Paulchen: "Ich bin eh da!"

Frauchen: Verflixt und zugenäht, Du kommst jetzt, und zwar sofort!" .... man stelle sich diesen unmöglichen Kommandoton vor, Paulchen war empört, sagte er ihr doch schon die ganze Zeit, dass er da war und nur weil sie wieder einmal nicht verstehen und hören wollte, ....

So ging das einfach nicht, außerdem konnte er nix aber gar nix dafür, wenn sie ihn hinter der Decke nicht sah! Also richtete sich Paulchen zu seiner vollen Größe auf und mit seiner ganzen Empörung biss er Frauchen in die Wade! Wie hieß das schöne Sprichwort: "Wer nicht hören will, muss fühlen!"

Kapitel 5

Das Erdenleben mit seinem Wolf in Hundegestalt Lupo war sehr schön, Paulchen konnte sich nichts Besseres vorstellen. Kaum aber, hatte er sich an das Ganze gewöhnt, Frauchen gut erzogen, so dass alles seinen normalen Gang ging, erklärte ihm sein Wolf Lupo, dass es Zeit wurde, zurückzukehren in die wahre Heimat aller Seelen. Lupo hatte alles erledigt, was seine Aufgabe auf der Erde war, er war seinem Frauchen ein treuer Begleiter, Beschützer gewesen und durfte wieder zurückkehren über die Regenbogenbrücke ins Licht und seinen Hundekörper verlassen!

Paulchen verstand die Trauer von seinem Frauchen nicht ganz, sie war todunglücklich und weinte den ganzen Tag. Mit aller Kraft versuchte Paul ihr zu erklären, dass Lupo ja noch da sei, er strahlte in hellem Licht wie ein Stern am Himmel und lag sehr oft neben ihrem Stuhl oder Bett. Leider half alles nichts, Frauchen war untröstlich. Sie verstand einfach nicht, dass sich nur das Seelenfahrzeug geändert hatte, die Seele von Lupo aber trotzdem bei ihr war, nur leider konnte sie ihn nicht immer sehen.

Es dauerte nicht lange, wurde auch Paul zurück in die Heimat gerufen, das war auch für ihn überraschend, so rasch sollte es gehen.

Lange redete er mit seinem Wolf, wie er das am besten bewerkstelligen sollte. Er wollte nicht krank werden, er wollte in diesem Leben einfach keine Schmerzen erleiden, er war aber noch sehr jung, so konnte er sich doch nicht einfach hinlegen und den Körper verlassen. Nach langem hin und her, entschied er sich dafür, vor ein Auto zu laufen. Das ging schnell und einfach. Sie brauchten jetzt nur eine Seele finden, für die es eine lehrreiche Erfahrung war, nicht bremsen zu können, wenn ein Tier über die Straße lief. Diese Seele war schnell gefunden und so kam Paulchen eines Tages nicht mehr nach Hause.

Frauchen schrie und rief nach ihm, obwohl sie schon spürte, dass er im Licht und wieder zu Hause war, gab sie nicht auf. Endlich fand sie seinen Körper am Straßenrand und beerdigte die leere Hülle liebevoll in einem Grab unter seinem Lieblingsbaum. Sein Frauchen war wieder untröstlich und schwor sich, nie mehr ein Tier in ihr Leben zu lassen.

Wenn sie ihm nicht so leidgetan hätte, hätte Paulchen fast gelacht! Sag niemals nie und außerdem, wo käme Frauchen denn da hin, ohne die Hilfe eines Tieres zur Unterstützung! Außerdem kam diesmal eine wirklich weise und alte Seele zu ihr, mit der sie lernen und erfahren durfte und für sich selbst einen großen Schritt in die Erkenntnis gehen konnte.

Diesmal würde Pino bei ihr einziehen!

Kapitel 6

Schon lange bevor Paulchen über die Regenbogenbrücke zurückkehrte, trafen sich die Seelen wieder und besprachen, wer als nächstes zu Paulchens Frauchen ziehen würde. Wer konnte am besten helfen, unterstützen und wer passte von den eigenen Seelenaufgaben perfekt dazu. Nach einigem Hin- und her entschied sich eine wirklich alte und weise Seele den Weg zurück auf die Erde anzutreten.

Pino, wie er auf der Erde genannt werden würde war schon oft mit Frauchen unterwegs gewesen, sie hatten schon sehr viel gemeinsam erlebt. Sie waren schon gemeinsam im Mittelalter auf der Erde gewesen, das war keine lustige Zeit. Da hatten sie beide als Kräuterkundige in einem kleinen Dorf gelebt, als Mutter und Tochter und hatten vielen mit ihren Salben und Tinkturen geholfen. Das war eine sehr aufregende Zeit gewesen, es musste alles perfekt funktionieren, ein Fehler und schwupps kam man mittels Scheiterhaufen wieder zurück ins Regenbogenland. Danach waren sie beide in einer Pferdeherde als Mustangs unterwegs, das war Freiheit pur! Es war einfach schön gewesen, nur über die Steppe zu jagen, zu fressen und die endlose Freiheit und Lebensfreude zu leben.

Diesmal entschied sich Pino für einen Katzenkörper. Es galt bedingungslose Liebe weiterzugeben und gleichzeitig den Menschen zu zeigen, was wirklich wichtig ist im Leben. Das konnte nur ein Tier! Menschen waren zu sehr in Ihrer Denkweise gefangen und zu sehr darauf hin erzogen zu funktionieren und zu Tun und zu Machen. Geldverdienen war zurzeit das Wichtigste auf der Erde.

Das Wichtigste auf dem Weg hinunter zur Erde war es, den richtigen Menschen zu finden. Es war ja durchaus schon vorgekommen, dass sich junge Seelen verlaufen hatten und zu einer falschen Familie kamen. Wie oft las man, dass ein Tier wieder zu vergeben wäre, eine neue Familie suche oder die Katzen sich selbst auf den Weg machten und davonrannten, um den richtigen Menschen selbst zu suchen. Die Menschen waren zu sehr in sich gefangen, sie urteilten dann und schimpften und beschimpften, sie verstanden einfach nicht, dass alles einen Sinn hatte!

Pino entschied sich für einen Umweg über Ungarn und eine Tötungsstation, wie er sich so eine Umgebung einmal anschauen und auch erleben wollte und weil er wusste, dass Frauchen ihn sofort erkennen würde, wenn für ihn dann der „richtige“ Platz gesucht wurde. Da gab es keinen Zweifel.

Er kam als kleiner schwarzer Kater und Sohn eine Straßen Kätzin auf die Welt, die ihre liebe Not mit den 3 kleinen hatte, sie zu füttern und durchzubringen. Sie lebten mehr recht und schlecht und hatten pausenlos Hunger. Ab und an warf ein mitfühlender Mensch ein paar Krumen hin, um die sie sich dann stritten. 2 seiner Brüder entschieden, dass das kein Leben für sie war und kehrten sofort zurück in ihre Heimat.

Die Mutter mit dem kleinsten und magersten Kätzchen blieb alleine zurück. Eines Tages kamen Männer, stürzten sich ohne Vorwarnung auf die beiden und steckten sie unsanft in Gitterkörbe. Sie kamen in verschiedene Tier Auffangstationen und wussten nicht, wie es weiter gehen würde. Diese Umgebung machte ihm Angst. Irgendwo in seinem inneren spürte er, dass das nicht seine letzte Station hier auf der Erde war, aber er konnte sich nicht so wirklich erinnern, alles war wie in einem Nebel. Er wusste er musste zu Kräften kommen, dann würde ihm wieder alles einfallen und klarer werden.

Eines Tages wurde er wieder gepackt und in ein Auto verfrachtet und landete nach einer langen Zeit, die er alleine in einem grauslich gefliesten Zimmer verbracht hatte, sie nannten es Quarantäne Station, in einer kleinen Wohnung mit ganz vielen Katzen.

Das war so gar nicht in seinem Sinne. Er wollte seine Ruhe haben, wollte allein sein! Er wollte keine anderen Tiere um sich haben, also knurrte er, verbiss die anderen, randalierte!

Dann auf einmal hörte er wie der Mann sagte: “Dieser Kater muss weg, der macht nur Unfug und ist nur schlimm und böse!“  Also wurde von ihm ein Foto gemacht und er kam in die Zeitung!

Da auf einmal erinnerte er sich daran, was er sich vorgenommen hatte und alles war ganz klar. Er wusste, jetzt würde er zu seinem Frauchen kommen, das er sich schon im Regenbogenland ausgesucht hatte.

Frauchen hatte sich ja vorgenommen, nie wieder ein Tier aufzunehmen, aus Angst vor diesem Kummer und Schmerz, wenn sie gingen. Aber sie war einsam ohne Tiere, es war so ungewohnt. Und so schaute sie in der Zeitung in den Inseraten, schauen ist ja erlaubt.

Es waren so viele tolle Tiere die da ein zu Hause suchten, dass man sich ohnehin nicht entscheiden konnte, welches man denn nehmen könnte. Aber dann, dann war da ein Foto von einem kleinen schwarzen Kater mit leuchtend grünen Augen der einfach nur „Hallo, da bin ich“ zu sagen schien.

Einen Tag später zog dieser kleine Kater ein und bekam den Namen Pino.

Er spazierte aus seiner Transportbox, schnupperte in aller Ruhe alles ab, fraß sich den Bauch voll und legte sich auf die Couch, als sei er schon immer hier gewesen!

 

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