Mental24

Es darf einfach und schnell gehen

 

26.11.2020

Pino und die Uhrzeit

Als Pino bei mir einzog, war er Hauskater. Er akzeptierte das ohne Murren, jammerte nie, wollte nie unbedingt zur Tür hinaus. Ich allerdings hatte ein riesen Problem damit, weil ich ein sehr freiheitsliebender Mensch bin und haderte mit mir. Unseren Garten sicher zu machen, ging von der Grundstücksaufteilung her nicht, einen Teil abzugrenzen, kam mir zu wenig vor. Ich wurde immer unzufriedener mit der Situation, als eines Tages eine Freundin anrief. Sie erzählte mir, dass einer ihrer 5 Wohnungskatzen die Diagnose FIP bekommen hat, mit tödlichem Ausgang. Sie frage mich: „Was würdest Du machen, wenn Pino diese Diagnose erhalten würde?“ Ohne zu denken und wie aus der Pistole geschossen antwortete ich: „Ich würde ihm die Freiheit schenken!“ Diese Aussage schockte mich selbst so sehr, weil ich mir dachte, muss mein Kater erst krank werden, dass er seine Freiheit leben kann? Am nächsten Tag öffnete ich ihm die Türe und lies ihn das erste Mal hinaus. Ich brauche nicht zu sagen, wie ängstlich ich war und lief ihm auch die ersten 10 Minuten hinterher.
Dann sagte ich mir aber, dass das auch keinen Sinn machen würde, entweder oder und ich darf Vertrauen lernen. Also ging ich ins Haus. Die zwei Stunden bis Pino wieder hungrig vor mir stand, waren einer der schlimmsten meines Lebens.

Ich handelte mit Pino einen Deal aus, er musste um 18 Uhr zu Hause sein, dann war die Türe über Nacht zu und in der Früh durfte er wieder hinaus. Pino richtete sich wirklich danach und kam zu 99 Prozent pünktlichst nach Hause. Dafür war ich ihm sehr dankbar. Ebenso wusste er, wenn ich unterwegs war und nach Hause kam, wollte ich ihn sehen. Ich wollte sicher sein, dass es ihm gut ging. Auch das funktionierte die meiste Zeit einfach perfekt.

Eines Samstags war ich aus unterwegs, kam um 16 Uhr nach Hause und …. Kein Pino! Panisch rannte ich durchs ganze Haus, nichts! Ich wollte auch nicht sofort nach ihm brüllen, denn um diese Zeit ist er meist “on tour”, also versuchte ich mich zu beruhigen und habe mental mit ihm kommuniziert, nach dem Motto: „Pino ich will Dich sehen, sofort!“
Zurück kam: “reg dich net auf ist alles ok, ich komm später!”

Ich: “ich will dich aber sehen, sofort! (da kommt dann Frauchen voll durch, ich bin der Chef, nur sieht er das naturgemäß völlig anders!)
Er: “na dann schau doch raus!”
Ich vom Büro ins Wohnzimmer zum Blumenfenster und wer ist Wald? Herr Pino! Schnuppert und verschwindet wieder und ist wie ausgemacht um 18 Uhr einmarschiert!

Admin - 19:02 @ Gespräche mit Pino | 2 Kommentare